Leistungs-Analyse Zwei Gesichter: Warum der FCM nur in der zweiten Halbzeit ein Top-Team ist
Der 1. FC Magdeburg könnte in der Tabelle noch deutlich weiter oben stehen. Probleme hat die Titz-Elf vor allem in der ersten Hälfte. Doch woran liegt das?

Magdeburg - Der 1. FC Magdeburg spielt eine Saison mit zwei Gesichtern: Während das Team in den ersten 45 Minuten häufig Probleme hat, ist es nach der Pause eines der stärksten Teams der Liga. Doch woran liegt diese drastische Diskrepanz zwischen Halbzeit eins und zwei?
Eine datenbasierte Analyse gibt Aufschluss über die Unterschiede – und zeigt, warum der FCM vor allem in den zweiten 45 Minuten so gefährlich ist.
FCM mit Schwächen vor der Pause: Frühe Gegentore und fehlende Durchschlagskraft
In der ersten Halbzeit gehört der FCM zwar noch zur oberen Tabellenhälfte, doch offensiv wie defensiv zeigen sich erhebliche Schwächen. Ein Torverhältnis von 19:24 zur Pause bedeuten nur Platz neun im Ligavergleich – und unter den Top-6-Teams der Liga performt nur der SC Paderborn in den ersten 45 Minuten schlechter.
Besonders auffällig ist die Anfälligkeit in der Anfangsviertelstunde: Neun Gegentore kassierte Magdeburg in den ersten 15 Minuten, nur drei Teams in der Liga sind in dieser Statistik noch schwächer – und diese stammen allesamt aus der unteren Tabellenhälfte. Früh unter Druck gesetzt, fehlt dem FCM häufig die defensive Stabilität.

Ein weiteres Problem: Die Mannschaft hat in der ersten Halbzeit große Schwierigkeiten, erfolgreich ins Angriffsdrittel vorzudringen. Trotz hoher Passsicherheit und Spielkontrolle bleibt der Angriffsdruck auf den Gegnerstrafraum gering.
Somit fällt das Abschlussvolumen vor der Pause deutlich niedriger aus als nach dem Seitenwechsel. Zudem ist der FCM oft gezwungen, aus der Distanz zu schießen, was die Chancenqualität weiter verringert.
Nach der Pause herausragend: Hohe Intensität, bessere Chancen, mehr Tore
Das Bild verändert sich nach der Halbzeitpause schlagartig: Ab Minute 46 ist der FCM das zweitbeste Team der Liga in diesem Zeitraum – und hat sogar das beste Torverhältnis (34:17).
Besonders beeindruckend ist die eigene Chancenverwertung: Während in der ersten Halbzeit die Torausbeute mit 1,0 Toren pro xGoal (Expected Goals) im Durchschnitt liegt, schießt der FCM in der zweiten Halbzeit 1,4 Tore pro xGoal – ein herausragender Wert und die meisten Tore aller Zweitligisten nach dem Pausenpfiff.
Doch warum ist Magdeburg nach der Pause so viel gefährlicher? Ein entscheidender Faktor ist die Laufleistung:
- Platz vier in der Liga bei der Gesamtdistanz (über 3.000 km)
- Platz eins bei Sprints – und das mit deutlichem Vorsprung (vier Prozent mehr als der Zweitplatzierte)
- Platz zwei bei intensiven Läufen
Gerade in der Schlussphase profitieren die Magdeburger von ihrer starken Physis. Das hohe Tempo zwingt den Gegner in die Defensive und erleichtert das Passspiel tief in die gegnerische Hälfte.

Auffällig: Neben dem FCM sind mit dem SC Paderborn und der SV Elversberg zwei weitere besonders laufstarke Teams in der Top-5 der besten Zweitliga-Mannschaften zwischen der 46. und 90. Minute vertreten.
Besonders hervorzuheben ist Angreifer Martijn Kaars, der eine Schlüsselrolle für die hohe Intensität des Magdeburger Spiels einnimmt. Der Niederländer gehört ligaweit zu den laufstärksten Spielern und führt sowohl in der Kategorie "Intensive Läufe" als auch bei den "Sprints“ die ligainterne Rangliste an.
Steigerungsgründe des FCM nach der Pause aus Datensicht
Ein wesentlicher Grund für die Leistungssteigerung ist die veränderte Spielsituation. Der FCM liegt zur Pause häufig zurück und muss aufholen. Dadurch ziehen sich die Gegner meist weiter zurück und Magdeburg bekommt mehr Platz im Spielaufbau. Das erleichtert es, kontrolliert in die gefährlichen Räume zu gelangen.
Auch das Zweikampfverhalten verbessert sich nach der Pause spürbar, vor allem in der Intensität. Während der FCM zu Spielbeginn oft zu zögerlich in Luftduellen und im Kampf um zweite Bälle agiert, gelingt es nach der Pause deutlich besser, diese Situationen für sich zu entscheiden.
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Ein interessanter Aspekt ist dabei die extrem hohe Fairness der Magdeburger in der ersten Halbzeit – ein Zeichen dafür, dass zu Spielbeginn mitunter die letzte Entschlossenheit fehlt.
Signifikant ist auch der Faktor "Spielglück“: In der ersten Halbzeit liegt der FCM mit 1,0 Toren und 1,1 Gegentoren pro xGoal im erwartbaren Bereich. Nach der Pause hingegen profitiert das Team von einer starken Effizienz und einer schlechten gegnerischen Chancenverwertung mit 1,4 eigenen Toren bei nur 0,8 Gegentoren pro xGoal.
Fazit: Magdeburgs zweites Gesicht macht Hoffnung auf mehr
Die Daten zeigen klar: Der FCM startet häufig schwach ins Spiel, steigert sich aber in der zweiten Halbzeit enorm. Die Kombination aus hoher Laufintensität, besserem Zweikampfverhalten und effizienterem Angriffsspiel sorgt dafür, dass Magdeburg nach der Pause zu den besten Teams der Liga gehört.
Dennoch bleibt die Frage, ob das Team von Trainer Christian Titz auch in den ersten 45 Minuten konstanter werden kann. Gelingt es, die Defizite in der Anfangsphase zu minimieren, könnte sich der Club in der entscheidenden Saisonphase weiter oben festsetzen.