FCM-Testspielgegner mit Historie Wie Chemie als "Rest von Leipzig" DDR-Fußballgeschichte schrieb
Am Sonntag testet der 1. FC Magdeburg bei Chemie Leipzig. Die BSG hat eine bewegte Historie, die 1964 in der DDR-Oberliga ihre Sternstunde erlebte.

Magdeburg/DUR – Praktisch auf der Rückreise aus dem Trainingslager im oberpfälzischen Amberg macht das Sander-Team am Sonntag Station in Leipzig, spielt im traditionsreichen Alfred-Kunze-Sportpark beim letztjährigen Tabellen-Dreizehnten der Regionalliga Nordost, Chemie Leipzig.
Exklusiv: FCM-Test bei Chemie Leipzig live im Stream
Der Verein aus Leipzig-Leutzsch hat eine bewegte Vergangenheit, besaß schon zu DDR-Zeiten Kultstatus. Aktuell könnte man die Grün-Weißen als den "FC St. Pauli" des Ostens bezeichnen.
Und das weniger, weil der früher Paulianer Dietmar Demuth zwischen 2016 und 2018 als Coach bei den Leutzschern wirkte, sondern weil die Anhänger der Grün-Weißen ebenso rebellisch und politisch engagiert sind wie die Anhänger des FC St. Pauli und zum großen Teil ihre Heimat im linksorientierten Stadtteil Connewitz haben.
Chemie Leipzig sorgte als Underdog in der DDR über Überraschungen
Sportlich sorgten die Chemiker vor allem in den 1950er und 1960er Jahren in der damaligen DDR-Oberliga für Furore, fuhren zwei DDR-Meistertitel (1951 und 1964) ein, mutierten später aber zu einer Fahrstuhlmannschaft. Bemerkenswert war der zweite Titelgewinn der Leutzscher 1964, der letzte Meistertitel für eine Betriebssportgemeinschaft (BSG).
Der war um so überraschender, als der nach einer Strukturreform des Leipziger Fußballs 1963 aus den Oberligisten SC Rotation und SC Lokomotive Leipzig gebildete SC Leipzig die vermeintlich besten Kicker der Messestadt zugeordnet bekam, während Chemie als „Rest von Leipzig“ antrat.
Sommerfahrplan: Alle FCM-Termine der Vorbereitung
Um so größer waren die Republikweiten Sympathien, als die Chemiker unter Trainer Alfred Kunze den SCL, gegen den man 1956 mit 100.000 Zuschauern im Zentralstadion den ewigen Oberliga-Rekord aufstellte, nicht nur in der Tabelle hinter sich ließen, sondern mit dem Meisterschaftsgewinn für den größten Überraschungserfolg in der Geschichte der DDR-Oberliga sorgten.
Chemie Leipzig feierte 1966 seinen letzten großen Erfolg
Zur Meistermannschaft 1964 gehörte neben den Nationalspielern Manfred Walter und Bernd Bauchspieß auch der 2020 verstorbene Jörg Ohm, der 1968 zum FCM wechselte und in den 1970-er Jahren mit den Blau-Weißen drei weitere Meisterschaften sowie 1974 den Sieg im Europapokal der Pokalsieger feiern konnte.
Der Gewinn des FDGB-Pokals 1966 (1:0-Finalsieg über Lok Stendal) sollte der letzte große sportliche Erfolg der Grün-Weißen bleiben. Auch nach der Wende und der Fusion mit der BSG Chemie Böhlen zum FC Sachsen Leipzig spielte man bald nur noch unterklassig, kämpfte um das sportliche und wirtschaftliche Überleben.
Nach etlichen Querelen und Fusionen pendelt der wiederbelebte Verein seit 2011 zwischen Regionalliga und Oberliga.