Mit einer Kreuzfahrt fing alles an "Raus aus der eigenen Soße": Wie Biastoch die Weichen für den FCM-Erfolg stellte
Jörg Biastoch genießt als Präsident des 1. FC Magdeburg den derzeitigen sportlichen Erfolg. Dabei hat er selbst einen Anteil daran, dass der Club diesen Weg einschlagen konnte.

Magdeburg/DUR – Wie viele seiner Amtskollegen ist Jörg Biastoch kein Mensch, der häufig im Rampenlicht steht. Stattdessen lenkt der Vereinspräsident viele Prozesse im Hintergrund und trägt dazu bei, dass der 1. FC Magdeburg seinen erfolgreichen Weg der letzten Jahre fortsetzen kann.
Im Sommer 2022 übernahm er den Präsidentenposten und ist damit der erste Vereinsvorsitzende beim 1. FC Magdeburg, der sein Amt bisher ausschließlich in der zweiten Liga ausgeübt hat. "Da bin ich stolz drauf, auch wenn mein Anteil im sportlichen Bereich sehr gering ist", sagt Biastoch im Podcast des FCM ganz bescheiden.
Dabei ist er für eine ziemlich wichtige Personalentscheidung verantwortlich, die den aktuellen Höhenflug des Clubs maßgeblich prägt. Ausgangspunkt war der Saisonbeginn 2020/21 in der 3. Liga, der wegen Corona erst in den September fiel. Wenige Wochen zuvor war der FCM gerade noch dem Abstieg in die Regionalliga von der Schippe gesprungen.
Reiner Calmund fädelt Treffen mit Otmar Schork ein
Nach einem vielversprechenden DFB-Pokalspiel gegen den damaligen Zweitligisten Darmstadt 98, das nur knapp mit 2:3 in der Verlängerung verloren ging, verpatzten die Magdeburger den Liga-Auftakt gegen den Halleschen FC vor heimischer Kulisse mit 0:2.
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Biastoch war zu jener Zeit im Aufsichtsrat tätig und hatte zuvor auf einem Kreuzfahrtschiff den ehemaligen Manager von Bayer Leverkusen, Reiner Calmund, kennengelernt. Diesen Kontakt nutzte er nach dem misslungenen Saisonauftakt, um sich Rat zu holen. Anstatt den Trainer infrage zu stellen, habe der erfahrene Ex-Funktionär angeregt, einen neuen Sportlichen Leiter einzustellen.
"Ihr müsst rauskommen aus eurer eigenen Soße", zitiert Biastoch die Aussage Calmunds. Denn seinerzeit war Mario Kallnik über Jahre der starke Mann beim FCM, der sowohl den finanziellen Bereich, als auch die sportlichen Geschicke leitete. Doch "Calli" war der Meinung, der Club bräuchte einen externen Impuls, um voranzukommen.
So überzeugte Otmar Schork die FCM-Verantwortlichen
Anschließend organisierte Calmund ein Treffen mit Otmar Schork in München, wo die Magdeburger zum Auswärtsspiel bei 1860 München zu Gast waren, berichtet Biastoch.
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Der erste Eindruck von Schork, dem langjährigen Sportdirektor des SV Sandhausen, sorgte beim FCM-Offiziellen für Erstaunen. "Was mich fasziniert hat, dass er sich schon, obwohl erst zwei Tage vergangen waren, mit der Mannschaft befasst hatte und dann Hintergrundfragen stellte", so Biastoch.
Er und die Gremien des Clubs seien schnell überzeugt von Schork gewesen. "Er verbindet zwei Dinge: ein sehr gutes Netzwerk, was Spieler betrifft, aber auch dieser betriebswirtschaftliche Gedanke", so Biastoch über Schorks Kompetenzen.
FCM holte Otmar Schork unter dem Radar
Nach dem ersten Treffen war Schork einige Male bei Heimspielen des FCM im Stadion, ohne dabei gesehen worden zu sein. Somit wurde die Verpflichtung unter dem Radar klargemacht.
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Im November 2020 trat Schork sein Amt beim 1. FC Magdeburg an und stellte die Weichen für die Rückkehr in die zweite Liga. Zunächst mit dem Transfer von Baris Atik in der Winterpause und schließlich mit der Einstellung von Christian Titz als Cheftrainer im Februar 2021. Von da an ging es bekanntlich kontinuierlich bergauf.
Die Personalie Schork hat sich als Glücksgriff für den FCM erwiesen. Wie schon beim SV Sandhausen, den er in die zweite Liga geführt und dort etabliert hatte, muss er bei den Blau-Weißen mit einem begrenzten finanziellen Budget wirtschaften.
Präsident Biastoch hielt auch in schwierigen Phasen zur sportlichen Führung
"Er ist dafür bekannt, dass er junge Spieler mit seinem guten Scouting-System bekommt und dann auch weiterentwickelt", betont Biastoch. Bei Daniel Elfadli und Moritz-Broni Kwarteng hat er bewiesen, dass er Spieler aus unteren Ligen entdecken und nach guter Entwicklung auch satte Ablösesummen bei deren Verkauf erzielen kann.
Diesen Weg unterstützt das Vereinsoberhaupt mit seinem Vertrauen, das er in die handelnden Personen setzt. Auch in den schwierigen Phasen der ersten beiden Zweitligasaisons habe er den Verantwortlichen immer den Rücken gestärkt. Dafür musste er mitunter harte Kritik einstecken. Laut eigener Aussage wurden sogar Hassnachrichten mit Beleidigungen an seine private Mailadresse geschickt, als es schlecht lief.
Doch das Vertrauen in Schork und Titz hat sich ausgezahlt. "Eine kontinuierliche Entwicklung kann nur zum Erfolg führen", resümiert Biastoch. Dies stellt der FCM in seiner Amtszeit eindrucksvoll unter Beweis.