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FCM-Gegner im Check Weniger Stars, aber mehr Erfolg: Hertha BSC ist plötzlich ein Spitzenteam

Der 1. FC Magdeburg trifft am Sonntag auf die Mannschaft der Stunde. Hertha BSC ist mit drei Siegen in die Saison gestartet und überrascht die Liga mit angriffslustigem Fußball.

Von Marcel Fritze 05.09.2026, 08:00
Der neu formierte Kader von Hertha BSC um den neuen Kapitän Jospi Brekalo hinterließ bislang einen hervorragenden Eindruck in der noch jungen Saison.
Der neu formierte Kader von Hertha BSC um den neuen Kapitän Jospi Brekalo hinterließ bislang einen hervorragenden Eindruck in der noch jungen Saison. (Foto: imago/Jan Huebner)

Berlin/DUR - Als Hertha BSC nach einem großen Aderlass für lange Zeit der einzige Verein in den ersten drei Ligen ohne Sommerzugang war, befürchtete so mancher bereits den Absturz in den Abstiegskampf der zweiten Liga. Aber die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl ließ sich von düsteren Prognosen nicht beeinflussen.

Nach drei Spieltagen sind die Berliner die größte Überraschung der Liga. Sie stehen ohne Punktverlust auf dem zweiten Tabellenplatz und begeistern mit erfrischendem Offensivfußball.

Am Sonntag (13:30 Uhr, live bei Sky) gastiert der 1. FC Magdeburg im Berliner Olympiastadion, um dem Tabellenzweiten die ersten Punkte abzuknöpfen. Wie hat Hertha es geschafft, sich neu zu erfinden und worauf muss sich der FCM einstellen?

Hertha BSC: Sieben Spieler aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogen

Der Umbruch bei den Hauptstädtern kam nicht aus heiterem Himmel. Weil die Verträge der Starspieler zu teuer waren und der Verein dringend Geld brauchte, wurden die Leistungsträger Fabian Reese (23 Torbeteiligungen in der Vorsaison), Marten Winkler (13 Scorer) und Michael Cuisance (acht Scorer) verkauft.

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Weitere überlebenswichtige Einnahmen erzielten die Eigengewächse Kenneth Eichhorn und Tjark Ernst. Knapp 30 Millionen Euro erlösten die Herthaner durch diese Verkäufe. Darüber hinaus wechselten Stammkräfte wie Toni Leistner und Michal Karbownik ablösefrei.

Die frei gewordenen Kaderplätze besetzte Sportdirektor Benjamin Weber, der acht Jahre lang den Nachwuchsbereich der Hertha leitete, mit sieben Spielern aus der eigenen Talentschmiede. Einschließlich der bereits etablierten Eigengewächse wie Marton Dardai, Pascal Klemens und Linus Gechter besteht der Profikader inzwischen zur Hälfte aus Spielern, die in den eigenen Reihen ausgebildet wurden. Der viel beschworene “Berliner Weg” wird konsequenter denn je umgesetzt.

Hertha-Kapitän Brekalo blüht in neuer Rolle auf

Von diesen sieben internen Zugängen hat sich bereits einer in der Startelf festgespielt. Soufian Gouram gab zum Saisonauftakt in Bochum sein Startelfdebüt im offensiven Mittelfeld und lieferte gleich die Vorlage zum entscheidenden 1:0. Der 20-Jährige wurde in der Vorsaison über die zweite Mannschaft in der Regionalliga Nordost an den Profifußball herangeführt und ist nun reif für die zweite Bundesliga.

Er fügt sich in eine Gruppe ein, die weiterhin von ein paar erfahrenen Leitwölfen geführt wird. Sowohl Paul Seguin, als auch Kevin Sessa, die beide das zentrale Mittelfeld bilden, haben weit über 100 Zweitligaspiele auf dem Konto. Ebenso wie Torwart Marius Gersbeck, der ebenfalls aus der Hertha-Jugend stammt.

Der prominenteste Kicker ist der neue Kapitän Josip Brekalo, der 122 Mal für den VfL Wolfsburg und den VfB Stuttgart in der Bundesliga auflief. Mit zwei Toren und zwei Vorlagen ist der Kroate stark in die aktuelle Saison gestartet.

Luca Schuler spielt bei Hertha nur eine Nebenrolle

Neben diesen Routiniers treten nun Akteure in den Vordergrund, die zuvor nur eine Nebenrolle spielten. So wie Sebastian Grönning, der gleich im ersten Spiel traf und beim 4:1 gegen Heidenheim ein weiteres Tor markierte.

Auch Jon Dagur Thorsteinsson, der schon auf dem Abstellgleis stand, meldete sich beim spektakulären 5:3 in Braunschweig mit Tor und Vorlage eindrucksvoll zurück. Zum Leidwesen von Ex-FCM-Stürmer Luca Schuler, der bislang nur von der Bank kommt, aber schon eine Vorlage beisteuerte.

Ergänzt wurde der Kader inzwischen auch mit externen Transfers. Oluwaseun Adewumi, Leihgabe vom FC Burnley, war bereits zweimal als Joker erfolgreich. Mads Petersen kam mit der Erfahrung von 115 Bundesligaspielen vom FC Augsburg und startete gegen Braunschweig direkt auf der linken Abwehrseite. Zudem wurde Flügelstürmer Farid Alfa-Ruprecht von Bayer Leverkusen ausgeliehen.

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Erstmals gegen Magdeburg dabei sein wird Gustaf Nilsson, der kurz vor dem Transferschluss von Club Brügge ausgeliehen wurde. Für die Belgier lief der 1,97-Meter-Stürmer schon achtmal in der Champions League auf und gehörte zum schwedischen WM-Kader.

Aufbauend auf diesem veränderten Personal hat Trainer Leitl seine Spielweise umgestellt. "Es war für uns wichtig, dass wir mehr Aktivität auf den Platz bekommen, dass wir mehr Mut im Anlaufen haben. Das war die größte Veränderung in unserem Spiel", erklärte der 49-Jährige das neue Erfolgsrezept.

Die drei Siege sorgen für eine breite Brust beim Tabellenzweiten. "Es geht darum, diese Schlagzahl aus den ersten Spielen auch am Sonntag aufs Feld zu bringen. Wir sind sehr überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen können", kündigte der selbstbewusste Hertha-Trainer vor dem Magdeburg-Spiel an.