Sportdirektor gibt Einblicke "Man hat sich zu klein gemacht": Das veränderte Peer Jaekel beim FCM
Sportdirektor Peer Jaekel hat dem 1. FC Magdeburg ein neues Selbstverständnis verliehen. Über seine ersten Monate beim Club, seine Prinzipien und seine Erwartungen hat er in einem Podcast gesprochen.

Magdeburg/DUR - Als Peer Jaekel vor einem halben Jahr beim 1. FC Magdeburg vorgestellt wurde, war er für viele Fans ein unbeschriebenes Blatt. Manch einer blickte skeptisch auf den Werdegang des neuen Sportchefs, der zuvor unter anderem bei Viktoria Berlin und Austria Klagenfurt tätig war.
Doch in Windeseile hat sich der 44-Jährige den Respekt der Magdeburger erarbeitet. Insbesondere mit der Vertragsverlängerung von Topstürmer Mateusz Zukowski schaffte er etwas, das kaum jemand für möglich gehalten hätte.
Wie ihm dieser Coup gelang, wie er den FCM voranbringen will und welche Ziele er für die aktuelle Saison hat, darüber erzählt Jaekel in einer Folge des MAGDEPodcasts, die nach der 1:2-Niederlage bei Hertha BSC aufgezeichnet wurde.
Jaekel überzeugte Zukowski vom Verbleib beim FCM
Es ist eine glückliche Fügung, dass der FCM mit Jaekels Amtsantritt Ende März eine starke Phase einläutete und sich damit aus dem Abstiegskampf befreite. Obwohl der Klassenerhalt erst nach dem letzten Spieltag endgültig feststand, gab der Schlussspurt dem neuen Sportdirektor den nötigen Rückenwind für seine erste Transferphase bei den Blau-Weißen.
Lesen Sie hier: Für diese Veränderung lobt Geisthardt Jaekel beim FCM
Wir konnten offensiv und voller Stolz in die Gespräche gehen. Das Graue-Maus-Image brauchen wir nicht. Wir müssen uns nicht kleiner machen, als wir sind. Wir haben hier ein geiles Produkt, wir sind ein geiler Club, wir haben geile Bedingungen. Wovor sollen wir uns verstecken?”, gab Jaekel Einblicke in die Verhandlungen.
Ein selbstbewusstes Auftreten, das in dieser Form zuvor nicht beim FCM verankert gewesen sei. “Da habe ich das Gefühl gehabt, dass man sich zu klein gemacht hat, sich in bestimmte Bereiche gar nicht getraut hat”, sagte Jaekel.
Diese Werte sind dem FCM-Sportchef wichtig
Als größter Erfolg in seiner noch jungen Amtszeit gilt die Verlängerung mit Stürmer Mateusz Zukowski, den er nach einer Saison mit 17 Toren überraschend halten konnte. Ein wichtiger Faktor für den Verbleib des umworbenen Polen war die Gemeinschaft beim FCM, so Jaekel. “Für Mateusz ist das Miteinander ganz wichtig. Ich habe bei ihm gemerkt, dass er sich wohlfühlt und seinen Hafen noch braucht. Den bieten wir ihm.”
Kommentar: Dass Zukowski noch beim FCM spielt, ist eine Sensation
Ohnehin haben die weichen Faktoren eine große Bedeutung für die Arbeit des Sportchefs. “Diese Menschlichkeit und Überzeugungskraft, da müssen wir besser sein als andere”, betonte Jaekel. Deshalb läge ihm viel daran, ein Umfeld zu schaffen, in dem sich die Spieler wohlfühlen und sich entfalten können.
“Bei allem Druck, der bei uns in der Branche existiert, eine Atmosphäre zu schaffen, die dahin führt, dass du gerne dort bist, das ist die größte Herausforderung. Ich glaube, da sind wir momentan echt gut”, erklärte Jaekel und berichtete davon, wie er zu seinem Einstand ein großes Büffet organisierte, um jeden Mitarbeiter persönlich kennenzulernen.
Jaekel harmoniert beim FCM gut mit Geisthardt
Besonders gut verstehe er sich mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Martin Geisthardt. “Wir sprechen eine ähnliche Sprache, haben einen unterschiedlichen Fokus und ergänzen uns dadurch herausragend gut. Das macht einfach Spaß”, so Jaekel.
Darüber hinaus schwärmte er im Podcast über den neuen Trainingscampus des FCM: “Wir können dem hier entstandenen gar nicht genug Respekt zollen. Das ist für einen Zweitligisten, der sich ein paar Jahre hier etabliert hat, aus eigenen Mitteln so ein Infrastrukturprojekt loszutreten. Das sucht seinesgleichen. Das ist ein unfassbar wichtiger Schritt für die Zukunft des Clubs.”
Allerdings erhielt das positive Grundgefühl, das die Magdeburger durch die Vorbereitung trug, gleich am ersten Spieltag einen krachenden Dämpfer. Die 1:6-Heimpleite gegen Braunschweig war ein Debakel, das nicht ohne Folgen blieb. “Das war eine krass intensive Woche. Wir mussten viel reden.”
Peer Jaekel will mehr als 17 Saisonsiege einfahren
An dieser Aufarbeitung beteiligte sich auch der Sportdirektor. “Ich habe mit einzelnen Spielern gesprochen über Erwartungshaltung: Welche Erwartung habt ihr eigentlich an euch und was erwarten wir als Club von euch?”, fragte Jaekel die Spieler.
Schnell merkte er, dass die Gespräche Wirkung zeigten. “Ab Mittwoch war es bei mir so, dass ich dachte: es geht in die richtige Richtung.” Der FCM gewann 3:0 in Osnabrück und rollte das Feld von hinten auf.
Auf ein konkretes Saisonziel wollte sich der 44-Jährige nicht festlegen. Stattdessen formulierte er: “Ich will immer die Überzeugung haben, dass wir mit der Maxime ins Spiel gehen können: wir gewinnen das Spiel. Ich will öfter gewinnen, als dass wir nicht gewinnen.”
Ein ehrgeiziges Ziel, denn dafür müsste der FCM 18 von 34 Spielen gewinnen und würde ziemlich weit oben stehen. Aber es zeigt das neue Selbstverständnis, das Jaekel vorgibt.