Koryphäen vom 1. FC Magdeburg Freunde, Rivalen, Legenden: Die besondere Geschichte von Seguin und Tyll
Axel Tyll und Wolfgang „Paule“ Seguin prägten die goldene Ära des 1. FC Magdeburg. Gemeinsam holten sie Titel und den Europapokal – doch ausgerechnet die WM 1974 stellte ihre Freundschaft auf eine harte Probe.

Magdeburg – Zehn Jahre, zwischen 1971 und 1981, spielten die einstigen Mittelfeldstrategen Wolfgang Seguin (heute 80) und Axel Tyll (72) gemeinsam im Oberliga-Team des 1. FC Magdeburg, waren Teil der „Goldenen Generation“, die in dieser Zeit drei Meistertitel, drei Pokalsiege und den Europapokal der Pokalsieger holte.
Das (Fußball)-Schicksal verband das Duo im gemeinsamen Jahrzehnt nahezu untrennbar miteinander, stellte ihre Freundschaft aber auch auf harte Bewährungsprobe.
FCM-Legende Seguin: Der wichtigste Treffer seiner Karriere
Wolfgang „Paule“ Seguin, geboren im nahen Burg, debütierte bereits 1964 bei den Männern des FCM bzw. dessen Vorgänger SC Magdeburg. Insgesamt bestritt Seguin 403 Punktspiele (48 Tore) für den Club, kam mit 18 Jahren gegen Galatasaray Istanbul auch zu seinem ersten Europapokaleinsatz, erlebte 1966 den Abstieg und ein Jahr später sofortigen Wiederaufstieg mit.
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In die Geschichtsbücher schrieb sich „Paule“ Seguin mit seinem Treffer zum 2:0-Finalsieg im EC-Finale 1974 gegen den AC Mailand und dem Sieg-Tor beim 1:0-Erfolg im FDGB-Pokalendspiel 1979 gegen den BFC Dynamo ein.
Einen Rekord stellt auch seine Serie von 219 Oberligaspielen am Stück zwischen 1971 und 1979 dar, die weder Verletzungen, noch Gelbe Karten unterbrechen konnte. Zu seinen 403 Meisterschaftsspielen kommen noch 69 Pokalspiele (11 Tore) sowie 57 EC-Einsätze (5).
Magdeburgs Axel Tyll und das Ende einer Karriere
Der gebürtige Magdeburger Axel Tyll kommt auf 232 Oberligapartien (32 Tore) für die Blau-Weißen, dazu 44 FDGB-Pokalspiele (6) und 40 (3) EC-Begegnungen. Im Alter von sieben Jahren begann er bei Motor Mitte mit dem Fußballspielen, kam 1966 in den FCM-Nachwuchs.
Sein erstes Punktspiel für den Club bestritt Tyll, immer wohlwollend gefördert von seinem Vater Rolf, jahrzehntelang Schiedsrichterbetreuer bei den Blau-Weißen, am 16. Juni 1971 gegen Chemie Leipzig, ehe eine Meniskus-OP seine Karriere elf Jahre später abrupt beendete.

Im Januar 1972 meinte es das Schicksal erstmal gut mit beiden. Bei der Flutlichtpremiere im Grubestadion gegen Dynamo Dresden unterlief Tyll ein Eigentor zum zwischenzeitlichen 1:1, ehe Seguin kurz vor Schluss der 2:1-Siegtreffer gelang.
Die weiße Heimweste hielt die gesamte Saison, brachte den ersten Meistertitel. Spätestens im EC-Finale 1974 revanchierte sich Tyll mit der Vorlage auf Seguin zu dessen Treffer zum 2:0-Endstand. „Spätestens damit habe ich mich mehr als erkenntlich gezeigt“, meinte Tyll unlängst.
Bewährungsprobe für die beiden FCM-Spieler
Das WM-Jahr 1974 stellte die Freundschaft zwischen Tyll und Seguin auch auf eine harte Bewährungsprobe. Eigentlich sollten beide für die DDR bei der WM-Endrunde in der BRD dabei sein. Doch Seguin hatte nach dem EC-Finale schmerzhafte Wadenprobleme, ließ sich entgegen ärztlichem Rat fitkneten und erklärte gegenüber Auswahltrainer Georg Buschner, dass er fit sei.
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Leidtragender war Axel Tyll. Obwohl bei der Einkleidung in Kienbaum noch dabei, wurde er letztlich noch aus dem WM-Kader gestrichen. Das ist aber schon lange ausgeräumt zwischen beiden.
Nach dem Karrierenende, eigentlich wollte Tyll 1982 noch in Aue weitermachen, war sich schon mit den „Veilchen“ einig, landete er im Harz. Erst als Spieler, später als Trainer. Seit langem wohnt er in Wernigerode.
Seguin verschlug es nach der Wende nach Stendal. Von dort aus beobachtet er, wie seine Söhne die erfolgreiche Reinigungsfirma in Magdeburg weiterführen und Sohn Paul sich in der ersten bzw. zweiten Bundesliga schlägt. Mehr oder weniger regelmäßig treffen sich Tyll und Seguin bei den Heimspielen des FCM, hoffen noch immer auf den Klassenerhalt in der Zweiten Liga.