Tiefenanalyse FCM-Torflaute: Das sind die Gründe - und was Hoffnung macht
Warum erzielt der 1. FC Magdeburg keine Tore mehr? Obwohl er so viele Schüsse wie kaum eine andere Mannschaft in der 2. Bundesliga abgibt? Die Analyse deckt auf, woran es hapert.

Magdeburg/DUR – Der 1. FC Magdeburg scheint verflucht zu sein: Eine fast beispiellose Torflaute sucht den FCM heim. Was einen riesigen Anteil an der katastrophalen Punkteausbeute in dieser Saison hat. Doch warum ist das so?
Gemeinsam mit den Datenexperten von Virtualfootball ging Magdeburg Blau-Weiß der Frage nach, wie es sein kann, dass trotz vieler abgegebener Torschüsse doch nur so wenige Bälle im gegnerischen Netz landen.
Viele Schüsse, wenig Ertrag
Am 31. August erzielte Noah Pesch das zwischenzeitliche 4:4 gegen Greuther Fürth. Es ist das bislang letzte Ligator des FCM. Seitdem blieb der Club im September und Oktober in 5 Ligaspielen in Folge ohne eigenen Torerfolg. Beeindruckend: Keiner der 71 Schussversuche in diesem Zeitraum fand den Weg ins Tor.
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Allgemein liegt das Problem des FCM nicht darin, dass man zu selten in Abschlusspositionen kommt oder keinen Zugang in den Strafraum findet. Das beweisen die Zahlen: 12,8 Schussversuche pro 90 Minuten sind sogar leicht mehr als in der Vorsaison (12,4) und auch nochmal mehr als der Ligadurchschnitt (11,5).
Woran scheitert die Torausbeute dann? Bei Ballkontakten im Strafraum ist der FCM in dieser Saison mit 19,3 Ballberührungen im Strafraum pro Spiel gegenüber der eigenen Vorsaison (20,6) leicht rückläufig.

Mit 26 herausgespielten Großchancen liegt der FCM auf Platz 6 im Ligavergleich. Einziges Manko: Der Anteil an Abschlüssen außerhalb des Strafraums ist zu hoch: 44 Prozent der Schussversuche des Clubs sind außerhalb des Strafraums. Das ist der höchste Wert der gesamten Liga. Die Chance auf einen Treffer sinkt, je weiter der Schütze vom Tor entfernt ist.
Die eigene Torflaute ist primär auf die sehr schwache Chancenverwertung zurückzuführen. Nur 31 Prozent der eigenen Schüsse gehen auf das gegnerische Tor, man ist also relativ ungenau in den Abschlüssen und landet damit im Ligavergleich im unteren Drittel.
Und dann kommt noch Pech hinzu: Mit 5 Latten-/Pfostentreffern ist der FCM auf Platz 2 der Liga, nur Hannover 96 traf öfter das Aluminium (6). Außerdem haben die Magdeburger Spieler bereits 20 Großchancen vergeben, das ist der vierthöchste Wert.
Magdeburg unterperformt im Vergleich zur Vorsaison deutlich
Ein weiterer Faktor ist die Performance des 1. FC Magdeburg. Laut den Daten vom Anbieter "wyscout" liegt der FCM fast siebeneinhalb Tore unter dem Erwartungswert (7 Tore aus 14,4 xGoals) – das ist die höchste xG-Underperformance der gesamten 2. Bundesliga. Durchschnittlich benötigen die Zweitligateams 8,2 Abschlussversuche pro eigenes Tor.
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In der vergangenen Spielzeit konnte der FCM den Wert sogar unterbieten (7,2) und erzielte 9 Tore mehr als erwartet. In dieser Saison benötigte der FCM 18,3 Abschlüsse für den eigenen Torerfolg. Die FCM-Flügelzange aus Baris Atik und Rayan Ghrieb gelang sogar nur ein einziger Treffer aus 42 Schussversuchen.
Sinnbildlich für die Misere gegenüber der Vorsaison: Martijn Kaars ging nach dem 3. Spieltag und ist trotzdem mit 2 Treffern noch geteilter Toptorjäger des FCM. Das veranschaulicht folgende Tabelle. Die Werte aus der vergangenen Saison:
- Kaars: 19 Tore, 16,1 xGoals, 3,7 Schüsse pro Tor
- El Hankouri: 6 Tore, 5,2 xGoals, 7,0 Schüsse pro Tor
- Amaechi: 5 Tore, 2,9 xGoals, 5,6 Schüsse pro Tor
- Hercher: 7 Tore, 2,7 xGoals, 3,7 Schüsse pro Tor
- Atik: 7 Tore, 2,7 xGoals, 6,1 Schüsse pro Tor
Es zeigt, dass die Abgänge von Kaars, Mo El Hankouri und auch Xavier Amaechi signifikanten Einfluss auf die Chancenverwertung haben. Spieler wie Atik und Philipp Hercher bleiben im Vergleich zur Vorsaison deutlich hinter ihren gewohnten Leistungen. Akteure wie Alexander Nollenberger und Alexander Ahl-Holmström lagen bereits in der Vorsaison hinter ihren xG-Werten zurück.
FCM-Torflaute: Was Hoffnung macht
Die Daten zeigen, dass der FCM sich Chancen erspielt, häufig zum Abschluss kommt und weiterhin Torgefahr ausstrahlt. Zwar darf der xGoals-Wert nicht überbewertet werden, aber eine derart große Diskrepanz kann durchaus auf eine Pechphase zurückgeführt werden und es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Club bei weniger als 0,5 Toren pro xGoal verbleiben wird.
Zudem haben die Offensivspieler Ado Onaiwu, Maximilian Breunig, Ghrieb und Atik auf Karrieresicht ihre expected Goals eigentlich stets leicht überperformt. Daher dürfen sich Fans berechtigte Hoffnungen machen, dass auch diese Spieler zeitnah wieder den Weg zum Torerfolg finden werden.