VOM SPIELER ZUM ASSISTENT Kilian über FCM-Cheftrainer Titz: “Er hat mein Leben verändert”
Der sportliche Werdegang von André Kilian, Co-Trainer beim 1. FC Magdeburg, ist eng mit seinem Chef Christian Titz verbunden. Er holte ihn aus der Vereinslosigkeit und zog ihn zu seinem verlängerten Arm heran.

Magdeburg/DUR - Christian Titz und André Kilian wirken unzertrennlich. Seit fast sieben Jahren unterstützt Kilian seinen Mentor an der Seitenlinie, folgte ihm zum Hamburger SV, Rot-Weiß Essen und letztendlich zum 1. FC Magdeburg.
Aber es war nicht nur Titz, der den 37-Jährigen auf seinem bisherigen Weg prägte. Auch von anderen renommierten Trainern schaute er sich etwas ab. Obendrein kickte er in der Jugend mit drei späteren Weltmeistern zusammen.
Über seine außergewöhnliche Laufbahn vom jungen Titelsammler bis hin zum Co-Trainer der Blau-Weißen erzählt Kilian im Podcast des FCM.
Kilian führt Schalkes A-Jugend zu zwei Titeln
Die ganz große Spielerkarriere, die sich anfangs andeutete, blieb dem gebürtigen Herner verwehrt. Seine größten Erfolge feierte er mit der A-Jugend des FC Schalke 04. 2005 gewann er den DFB-Pokal in dieser Altersklasse.
Ein Jahr später wurde er Deutsche Meister durch einen Sieg im Finale gegen den FC Bayern München. Und das sogar als Kapitän einer Mannschaft mit Benedikt Höwedes und Mesut Özil, die 2014 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft wurden. Später erlebte Kilian auch, wie Manuel Neuer über die Zweitvertretung von S04 zu den Profis aufstieg.

Schon damals habe sich der heute 37-Jährige in seiner Rolle als junger Führungsspieler im defensiven Mittelfeld strategische Gedanken über die Spielweise gemacht und für den Zusammenhalt des Teams gesorgt. Dabei lernte er laut eigener Aussage viel von seinem Trainer Norbert Elgert, der in seinen über 20 Jahren als Schalker U19-Trainer viele Toptalente ausbildete.
“Dieses ehrliche Feedback und diese Disziplin. Wenn jemand nicht an das Team gedacht hatte oder wenn er zu spät kam, dann war er in der Phase nicht dabei. Disziplin stand bei ihm an sehr großer Stelle”, beschreibt Kilian die Stärken seines Ex-Trainers. In der U23 trainierte er zudem unter Schalke-Legende Mike Büskens.
Erstes Treffen: Titz macht Kilian wieder fit
Der erhoffte Sprung in den Profikader erfüllte sich für Kilian allerdings nicht. Später wagte er den außergewöhnlichen Schritt nach Australien, zu North Queensland Fury. “Es war eine sehr aufregende Zeit und für den Lifestyle ist es ein unglaubliches schönes Land”, schwärmt er von “Down Under”.
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Doch aufgrund des auslaufenden Vertrags war das Abenteuer für ihn nach einem knappen Jahr schon wieder vorbei. Im Frühjahr kehrte er nach Deutschland zurück und fand zunächst keinen Verein. Da habe er von seinem Berater den Tipp bekommen, sich bei einem Individualtrainer aus Aachen zu melden. So kam es zur ersten Begegnung mit Christian Titz.

“Ich habe ihn wahrgenommen als sehr detaillierten Trainer”, so Kilians erster Eindruck von Titz. Fußballerisch habe er viel von Titz mitgenommen, der ihn daraufhin auch zum FC Homburg holte, wo er im Sommer 2011 zum Cheftrainer wurde. In ihrer gemeinsamen Zeit habe Kilian schnell erkannt, dass er mit dem Coach auf einer Wellenlänge war. So wurde er auf dem Platz schnell zu seinem verlängerten Arm.
Gleich im ersten Jahr stieg Kilian unter Titz mit dem FC Homburg aus der Oberliga Südwest in die viertklassige Regionalliga Südwest auf. Später trennten sich zwar die Wege der beiden, aber im Sommer 2018 fanden sie wieder zueinander, als Titz beim Hamburger SV nach dem Abstieg aus der Bundesliga den Neuaufbau einleitete.
Kilian war zu jener Zeit mit 31 Jahren bereits Co-Trainer in Homburg, nachdem er seine aktive Laufbahn vorzeitig beendet hatte. Für Titz war das Intermezzo beim HSV schon im Oktober wieder vorbei, kurioserweise unmittelbar vor dem Spiel in Magdeburg. Kilian hingegen blieb bis zum Saisonende in Hamburg, bis er erneut seinem Förderer zu Rot-Weiß Essen folgte.
Kilians großer Wunsch für den 1. FC Magdeburg
Schließlich landeten beide im Februar 2021 beim 1. FC Magdeburg. Wenig überraschend ist es, dass er Titz als den Trainer nennt, der ihn am meisten geprägt hat: “Das hat mein Leben verändert. Ohne das Treffen mit Chris wäre dieser Weg nie möglich gewesen. Da bin ich total dankbar”, sagt Kilian.
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Beim FCM ist er nicht nur auf dem Trainingsplatz im Einsatz, sondern hilft auch bei der Spielersuche. “Im Bereich Scouting, gerade mit den ausländischen Spielern und Beratern, bin ich sehr häufig im Austausch, aufgrund meiner Englischkenntnisse”, erklärt Kilian. Er zeige den neuen Spielern das Stadion und die Stadt, helfe ihnen auch dabei, ein Auto zu bekommen.
Die Arbeit mit der aktuellen Mannschaft bereitet dem Co-Trainer viel Freude. Insbesondere der Ehrgeiz der Spieler beeindrucke ihn. Kilian: “Es gibt viele Jungs, die sind morgens um sieben Uhr hier, die ihr erstes Programm machen, bevor das normale Programm läuft und sind um 18 Uhr immer noch hier, um Sauna zu machen”, schildert der FCM-Trainer.
Mit dieser Zielstrebigkeit könnte der Traum des Assistenten, mit dem FCM in die Bundesliga aufzusteigen, vielleicht am Ende in Erfüllung gehen. “Natürlich würde ich mir das für die Menschen, den Verein, die Region wünschen”, sagt er. Der Weg des Zweitliga-Spitzenklubs ist bereitet.