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Disziplin und Joker-ToreMentalität und Moral beim FCM – Reicht es für Abstiegskampf?

Der 1. FC Magdeburg kam in dieser Saison nach Rückstand oft zurück, mehrfach sogar in letzter Sekunde. Das zeugt von Moral. Der FCM wird das brauchen können, denn der Kampf um den Klassenerhalt könnte sich ziehen.

Von Nico Esche Aktualisiert: 06.02.2024, 14:18
Mentalitäts-Biester: Tatsuya Ito und Baris Atik vom 1. FC Magdeburg.
Mentalitäts-Biester: Tatsuya Ito und Baris Atik vom 1. FC Magdeburg. (Foto: IMAGO / Christian Schroedter)

Magdeburg/DUR - Es war wie eine Geschichte aus einem Fußballmärchen: Der 1. FC Magdeburg kämpfte sich nach einem Rückstand vor heimischen Publikum gegen Holstein Kiel zurück: Erst verschoss der Club einen Elfmeter, dann knallte ein Schuss gegen die Latte – der Ausgleich lag in der Luft.

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In der fünften Minute der Nachspielzeit wechselte FCM-Cheftrainer Christian Titz noch ein letztes Mal. Emir Kuhinja kam für Jean Hugonet, Mittelstürmer für Mittelfeld-Abräumer.

Es sollten die ersten Sekunden im Dress des FCM für Kuhinja werden und seine ersten im Profifußball überhaupt. Nur rund eine Minute später steht der Winterneuzugang goldrichtig und netzte nach gelungener Vorarbeit zum umjubelten Ausgleich ein.

FCM zeigt Moral gegen Holstein Kiel und Co.

Der 1. FC Magdeburg kämpfte sich zurück, in ein Spiel, das bis zum verschossenen Strafstoß in der 55. Spielminute als bereits verloren geglaubt schien. Zu einfallslos, zu unkonzentriert agierte der Club bis dahin. Dann zündeten die Magdeburger den Turbo und zeigten – einmal mehr – große Moral.

Der Ausgleich in letzter Sekunde markierte einen Meilenstein beim Club in der laufenden Saison. Zum vierten Mal kam der FCM nach einem 0:1-Rückstand zurück. Zum dritten Mal gelang der Ausgleich kurz vor Abpfiff, davon sogar zweimal tief in der Nachspielzeit.

Den unbedingten Willen, das Spiel noch auf seine Seite zu ziehen, kann der Titz-Elf in vielen Fällen nur schwer abgesprochen werden. „Die Moral muss gut sein beim FCM“, lobte FCM-Legende Christian Beck erst neulich im Gespräch mit „Magdeburg Blau-Weiß“.

Emir Kuhinja (l.) gelang mit seinem Tor für den 1. FC Magdeburg gegen Holstein Kiel den späten Ausgleichstreffer.
Emir Kuhinja (l.) gelang mit seinem Tor für den 1. FC Magdeburg gegen Holstein Kiel den späten Ausgleichstreffer.
(Foto: IMAGO / Christian Schroedter)

Ein Blick zurück: Gegen Holstein Kiel fand der FCM in der ersten Halbzeit nicht in die Partie. „Es war kein gutes Spiel, insbesondere in der ersten Halbzeit“, räumte Trainer Titz nach dem Spiel ein. Immer wieder nachgehen, „den Gegner unter Druck setzen“, war die Devise, die der Trainer seinen Spielern in der Kabine zur Halbzeit mitgegeben hatte.

Den Schalter legte die Titz-Elf vor allem nach dem vergebenen Strafstoß um. Die Kieler halfen dabei tatkräftig mit, als sie anfingen, sich deutlich mehr auf das Verteidigen und weniger auf den Angriff zu konzentrieren.

Es folgte eine Magdeburger Angriffswelle nach der nächsten, die auf die Kieler einprasselten (Titz: „Ein Sturmlauf“). Mit sehenswerten Distanzschüssen und brandgefährlichen Kombinationen und Dribblings im gegnerischen Strafraum.

Die zwei Seiten des 1. FC Magdeburg

Läuft die Maschine beim FCM heiß, kann sie von so gut wie kaum einem gegnerischen Zweitliga-Team kontrolliert werden. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen das immer wieder, wie beim 6:4-Spiel gegen Hertha BSC, bei dem der Club viermal(!) ausgleichen konnte und am Ende das Spiel sogar drehte.

Jedoch: Stottert der Motor, folgen lange Passstafetten in den eigenen Reihen, meist über die Abwehrspieler und Torwart Dominik Reimann. Kaum Zug zum Tor, häufiges abdrehen vor dem gegnerischen Strafraum. Fans erinnern sich an die Niederlage gegen Eintracht Braunschweig (0:1).

Allein, in der ersten Halbzeit beim vergangenen Spiel gegen Holstein Kiel, erarbeitete sich der FCM einen xGoals-Wert von 0,27. Der Club drehte auf. Am Ende der zweiten Halbzeit stand der Wert bei 3,91.

Das mögliche Geheimnis: eine gute Moral, Disziplin und die technische Grundausstattung, die die Spieler im Titz'schen Kader mitbringen müssen. Eine weitere mögliche Motivation: Es droht die Gefahr eines Abstiegs in die 3. Liga – die allerdings wohl bei manchem Spieler noch nicht durchscheint, trotz denkbar dünnem Polster auf die Abstiegsränge.

FCM: Die besondere Rolle der Joker

Und zuletzt die „Joker“, die eine besondere Rolle bei den „Größten der Welt“ unter Christian Titz einnehmen. Gegen Greuther Fürth traf Mo El Hankouri quasi mit dem Schlusspfiff zum Ausgleich, nachdem er zuvor eingewechselt worden war.

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Ähnliches zeigte Tatsuya Ito gegen Wehen Wiesbaden. Und nun Kuhinja gegen Kiel. Es waren die Joker-Treffer zehn, elf und zwölf für den 1. FCM in der laufenden Saison – Zweitliga-Bestwert.

"Man spürt einfach die Gier und den Willen in dieser Mannschaft."

Baris Atik nach dem Paderborn-Remis im September

„Der 1. FC Magdeburg hat diese Spielertypen auf der Bank, die solche Spiele noch einmal beleben können“, sagte Christian Beck im Interview. Auf die „Joker“ ist verlass, die Moral ist hoch. Nicht zuletzt wegen der Kapitäne Amara Condé und vor allem Baris Atik. Sie sind dafür bekannt, auf und neben dem Platz als Motivations-Motor voranzugehen.

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Die Stimmung, die Moral, sie scheint auf einem hohen Level zu sein beim Club. Dabei darf aber nicht vergessen werden: Der 1. FCM steckt mitten im Abstiegskampf. Zugegeben, fast alle Spiele in dieser Saison verlor die Titz-Elf nur mit einem Tor Unterschied. Doch auch knapp verlorene Spiele, sind verlorene Spiele.